Barack Obama, ein Schwarzer? Ein Lapsus linguae mit ideologischen Hintergründen

 

 

Víctor BUENO ROMAN

(Berlin)

 

Seitdem die Vorwahlen zur Nominierung eines Kandidaten für das höchste Amt in den USA begonnen haben, sprechen viele im Lande und außerhalb von ihm, dass ein Schwarzer zum ersten Mal in der Geschichte der USA Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika werden kann und ins Weiße Haus einziehen wird. Jedoch ist zu bezweifeln, ob diese Meinung, die immer wieder verbreitet wird und an Boden gewinnt, richtig sei. Wenn man Barack Obama persönlich kennt oder ihn auf Bildern sieht, und dazu wichtige Auskünfte über seine ethnische Herkunft einem zur Verfügung stehen, stellt man fest, dass diese Ansicht falsch ist. In folgenden Ausführungen werde ich diesem Thema nachgehen und die politischen Hintergründe ans Licht bringen, denn  der Gebrauch der Sprache wird oft ideologisiert und die Wörter nach Klasseninteressen umgedeutet oder seines wahren und ursprünglichen Sinnes entleert.

Barack Hussein Obama Jr. ist Jurist, Politiker, Mitglied der Demokratischen Partei und Senator des Bundesstaates Illinois. Er hat sich gegen seine Parteifreundin Hillary Diane Clinton (geb. Rodham) für die Nominierung zu den Präsidentenwahlen im November 2008 durchgesetzt. Wie Barack Obama, kandidierte der Baptistenpastor Jesse Louis Jackson, auch ein Mulatte, 1984 bei den Vorwahlen zur Nominierung eines Präsidentschaftskandidaten der Partei der Demokraten und erreicht nur den dritten Platz.

Barack Obama wurde 1961 in Honolulu-Hawaii geboren. Sein Vater, Barack Obama Senior (1936-1995), war ein Kenianer und dem Luo-Volk zugehörig. Die Mutter, Stanley Ann Dunham (1942-1995) war eine Weiße aus Kansas. Die Eltern lernten sich als Studenten an der Universität von Hawaii kennen. Dort heirateten sie, doch die Ehe ging nach kurzer Zeit in die Brüche. Nach der Trennung der Eltern bekam der kleine Barack Obama seinen Vater sehr wenig zu Gesicht, denn die Mutter heiratete später einen Mann aus Indonesien, dessen Namen Lolo Soetoro lautete und bekam von ihm eine Tochter.

Barack lebte vier Jahren in Indonesien mit Mutter, Stiefvater und Stiefschwester. Im Alter von 10 Jahren kehrte er nach Hawaii zurück und wuchs bei den Großeltern mütterlicherseits auf. Zu dieser Zeit und in vielen Teilen der USA, wo der Ku-Klux-Klan für Angst und Schrecken unter den Schwarzen sorgte und unzählige Morde beging, war eine Ehe mit Farbigen gefährlich und somit streng verboten.

Barack Obama ist das Kind einer binationalen Ehe bzw. einer Mischehe. Barack Obama ist ein Mischling und kein Schwarzer. Er ist, genau genommen, ein Mulatte . Der Mulatte hat immer einen weißen und einen schwarzen Elternteil. Für USA-Verhältnisse ist Obama ein Afroamerikaner, wobei sich in einer Mischehe nicht Kontinente (hier Afrika und „Amerika“) begegnen, sondern Menschen unterschiedlicher Herkunft. Woran erkennt man den Unterschied? Man erkennt ihn an dem Phänotyp oder Erscheinungsbild. Der Phänotyp ist die Summe aller äußerlich feststellbaren Merkmale eines Individuums und er bezieht sich nicht nur auf morphologische, sondern auch auf physiologische Eigenschaften. Schwarze waren der USA-Trompeter und Sänger Louis Armstrong, Agostino Netto aus Angola und der kubanische Geiger und Virtuose Claudio José Domingo Brindis de Salas, der international sehr bekannt war und „el Paganini negro“ (z.dt. „der schwarze Paganini“) genannt wurde. Schwarze sind auch der Südafrikaner Nelson Mandela (Anwalt, Politiker, Ex-Präsident Südafrikas und Friedensnobelpreisträger von 1993), der Nigerianer Wole Soyinka (Schriftsteller und Nobelpreis für Literatur im Jahr 1986) und die Kenianerin Wangari Muta Maathai (Umweltaktivistin und Friedensnobelpreis von 2004), um nur einige Persönlichkeiten aus der Politik und Kultur zu nennen.

Mit dieser Unterscheidung, die als Fakt nicht zu übersehen ist, möchte ich darauf hinweisen, dass die Sprache so gut und so viel wie möglich die Realität widerspiegeln soll. Und hier geht es nicht um die für manche Ohren und Augen fragwürdige Suche nach einer ethnischen Reinheit, sondern um die Feststellung eines genetisch-biologischen Prozesses, dessen Ergebnis einen Namen sowohl in den Naturwissenschaften wie der Genetik oder der Biologie als auch in den Sozialwissenschaften wie der Ethnologie und der Anthropologie hat. Nur weil der Begriff Rasse in der deutschen Sprache einen negativen Beigeschmack hat und wegen der Naziherrschaft vorbelastet ist, kann und soll man nicht inkonsequent sein und mittels der Sprache die Menschen weiter zur Verwirrung bringen. Und so wie das Wort Rasse im deutschen Sprachraum vermieden oder verbannt wird, begeht man einen Fehler, der auch einen ideologischen Hintergrund hat, nämlich den, dass die USA ein Land, ein Staat ist und als „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ gilt, in dem es ein Tellerwäscher mit Eigeninitiative und Eigenverantwortung zu Reichtum und Ruhm bringen kann. Dies ist Werbung, ja Propaganda, in eigener Sache. Dieses Land brächte jetzt einem „Schwarzen“ die Chancengleichheit, nämlich die, dass er Präsident „aller Amerikanerinnen und Amerikaner“ werden kann und darf. Im Fall Obama würde „sein Amerika“ ihm und der Welt somit „eine wahre demokratische Tradition und eine beachtliche Gesinnung“ zeigen. Während seiner Tour zur Nominierungswahl in seinem Land hat er  den Journalisten und seinen Anhängern mehrmals gesagt: „Ein Lebenslauf wie meiner ist nur in den Vereinigten Staaten möglich“.

Die Entfremdung, hier als Derealisierung und Denaturalisierung (oder Denaturierung) in der Wahrnehmung und im psychischen Leben verstanden, führt nicht nur zu einem Bruch oder einer Verdrehung von Tatsachen oder Inhalten, sondern auch zu einer unkritischen Haltung und einer Passivität. Darunter verstehe ich, dass die Fähigkeit und der Willen zum Überprüfen, zum Hinterfragen und zum Beurteilen nachläßt. Und dies ist für mich, ein Mangel an Aufklärung, Mündigkeit und Eigenständigkeit. Am Beispiel des Namens „Amerika“, das ein Land für sich allein reklamiert und als richtig und selbstverständlich verbreitet, ist ein gewollter sprachlich-semantischer Fehler, der weltweit unkritisch hingenommen wird. Aber Amerika, als geographische Bezeichnung, bezieht sich weder auf ein Land oder auf einen Staat, sondern umfasst einen ganzen Kontinent. Fast alle Politikerinnen und Politiker sowie Bewohnerinnen und Bewohner des nordischen Teils des Kontinents haben das Wort „Amerika“ für sich in Anspruch genommen. Sie haben, wie ehemals die Pioniere und Einwanderer, die den Halbkontinent im 17. und 18. Jahrhundert besetzten und sich aneigneten, den Namen „Amerika“ für ihr Land in Besitz genommen und ideologisiert. Diese Politik ist in die Annalen der Geschichte als Pan-Amerikanismus eingegangen und heißt auch „Amerika den Amerikanern“. Ein Teil als das Ganze gelten zu lassen, ist Fehler und Arroganz zugleich. Es ruht auf historischer Ignoranz und unkritischer Annahme. Die Rhetorik nennt dies Metonymie, d.h. ein Stilmittel zur Namensvertauschung oder zur Umbenennung. In der konkreten Politik der USA ist diese Form der Metonymie- das „pars pro toto“ -absichtlich. Sie geht auf die Wörter des 5. USA-Präsidenten James Monroe (1758-1831) und seine „Monroe-Doktrin“, verkündet 1823, zurück. Der Hauptgedanke dabei lautete: “Die europäischen Mächte sollten sich aus Amerika heraushalten, dafür würden die USA in europäische Streitigkeiten nicht eingreifen“.

Man muß zwischen Rasse und Rassismus unterscheiden. Rasse ist ein biologischer Begriff, der in der Genetik und der Anatomie üblich ist. Er verweist darauf, dass es von einer Spezies oder Gattung (Mensch) mehrere verschieden Arten oder Rassen vorhanden sind, die sich durch vererbbare äußerliche Merkmale unterscheiden. Das Problem ergibt sich, wenn eine Menschengruppe oder eine Rasse, sich als bessere, vollkommene, auserwählte betrachtet und sich eine Führungsrolle in der Welt oder in der Gesellschaft auferlegt. Der Rassismus basiert auf Äußerlichkeiten sowie auf sozial-politischen, religiösen und kulturellen Komponenten. Ihn  rechtzeitig zu erkennen und auf seine sozialen und politischen Ziele hinzuweisen, ist Aufgabe aller Menschen mit Verstand und Eigenständigkeit.

Der Rassist ist reich an Vorurteilen, intolerant und ausländerfeindlich. Er hat Angst vor Fremden und erhebt den Anspruch, das „non plus ultra“ in der Welt oder in der Gesellschaft zu sein. Das Überlegenheitsgefühl ist ein ideologisches Produkt und historisch-wirtschaftlich bedingt. Mit den sozialen, religiösen und kulturellen Unterschieden werden die Höherwertigkeit bzw. die Minderwertigkeit eines Menschen oder einer Menschengruppe begründet oder Führungsrollen für immer festgelegt. Der Rassist wertet andere Menschen ab und entzieht jenen- die nicht wie er aussehen oder denken- das Recht auf Freiheit, auf Selbstbestimmung und auf Leben. Der Rassist waltet über andere Menschen wie ein Gott, wie ein Richter oder Henker. Die Würde des Menschen und die Gleichberechtigung kommen  folgerichtig zu kurz, werden missachtet oder werden ausgesetzt. Die fast Ausrottung der Indianer in Amerika (Nord-, Mittel- und Südamerika), der Faschismus in Italien, der Nationalsozialismus in Deutschland und das Terrorregime des Umar Hasan Ahmad al-Baschir gegen die schwarze Bevölkerung im Sudan, sind einige Beispiele dazu.

Die in Anspruch genommene „Führungsrolle“ der USA für „Freiheit und Demokratie“ und ihre völkerrechtswidrige Kriegsführung in Irak und Afghanistan (und möglicherweise bald im Iran) sowie die Haltung und Heuchelei Israels und mancher europäischer Staaten gegenüber den Palästinensern passen in dieses Bild. Es ist deshalb dringend geboten, die Aufmerksamkeit dem zukünftigen Geschehen in und außerhalb der USA zu widmen und Kritik und Ablehnung, falls erforderlich, konsequent zum Ausdruck zu bringen.

Letztendlich wird Barack Hussein Obama Jr. weder an seiner Hautfarbe, an seinem jugendlich wirkenden Auftreten noch an seinem medienwirksamen Sympathiegrad gemessen werden, sondern an seiner Sozial-, Umwelt-, Innen- und Außenpolitik, falls er Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wird. Versprechen kann man überall und immer wieder; das Versprochene einzuhalten steht auf einem anderen Blatt. Der Fall Helmut Kohl, CDU, („die blühenden Landschaften im Osten) und der „Basta- und Autokanzler“ Gerhard Schröder, SPD, gelten hierzulande als Beispiele des Wortbruches und der Niederlage gegenüber dem Kapital.

Im Fall Barack Obamas richten sich die Augen, die Aufmerksamkeit und die Erwartung seines Landes und der Welt , unter anderen, darauf: a) Eine Sozial- und Gesundheitsversicherung für alle; b) Unterschrift des Kyoto Protokolls über Reduzierung von CO2  Emissionen; c) Stopp des Überwachungsstaates durch die CIA und die Patriotic Act, durch das Department of Homeland Security, DHS / Heimatministerium und die Sammlung von Bürgerdaten in das Automated Targeting System, ATS; d) Ablehnung des Kriegsplanes von Rüstungslobbyisten und Kriegsfalken gegen den Iran; e) Ende des völkerrechtswidrigen Krieges im Nahosten und Abzug der Truppen aus Irak und Afghanistan; f) Forderung an Israel zur Einhaltung der verschiedenen UNO-Resolutionen über die Siedlungspolitik auf palästinensischem Territorium sowie die Rückkehr aller Vertriebenen und ihre materielle Entschädigung; g) Einstellung der Produktion und Verbot des Verkaufs und Gebrauchs von Streubomben; h) Schließung des Guantanamo-Lagers und Anerkennung der Gefängnisinsassen als Kriegsgefangene mit Recht auf ein juristisches Verfahren und anwaltlichen Beistand; i) Stopp des Planes über die Installation eines Raketenabfangsystems in Polen und eines Radars in der Tschechischen Republik, was den Rüstungswettlauf wieder belebt.

 

 

 

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