Fotografieren bedeutet für mich Bilder finden und nicht erfinden. Für ein Foto Dinge zu arrangieren,
Menschen zu dirigieren liegt mir nicht Die Bilder sollen sich durch die Mittel der Kamera: Brennweite,
Blendenöffnung, Verschlusszeit, zeigen. Mein Blick durch das Kameraauge sucht das Bild das gemeint ist,
kein Ausgangsmaterial für weitere Überlegungen. Das Eingreifen besteht in der Wahl des Ausschnitts, des
Moments und führt im glücklichen Fall zu Überraschungen: welche nie gesehenen Bilder verbergen
sich in der Flut der sichtbaren Wirklichkeit. Mit „Nie gesehen“ meine ich nichts Spektakuläres, Schrilles.
Oft ist das Motiv ruhig,  unbewegt, die Wahl von Blickwinkel und Ausschnitt macht das Bild aus,
seltener gelingt eine Momentaufnahme so, dass sie bestehen kann, denn dafür muss auch das Glück
mitspielen. Worum es mir beim Fotografieren geht: um das Bild, nicht um das Motiv. Die Fotos sind nicht
dokumentarisch, manchmal dränge ich unliebsame Realitäten aus dem Bild, weil sie stören würden. Was
mich erstaunt ist, das einige meiner Bilder gerade mich brauchten um gefunden zu werden, das macht sie
aus. Dabei ist das Übersetzen in Schwarz-Weiß entscheidend. Farbe in Fotografien mag ich selten so
hinnehmen wie ich sie finde. Das Schwarz-Weiß verleiht meinen gefundenen Bildern Beständigkeit, lässt den

vergänglichen Augenblick eine Zukunft haben.

Barbara Schneekloth