SONIA SOLARTE,
 
Cali, Kolumbien, 1959. Sie hat veröffentlicht: Damit das Vergessen dich nicht berührt, 1990. Papierwelt, 1996. Gedenken der Abwesenheit, 1999.
Ich weine das Sein, das ich lebe.
/César Vallejo/
Gesäht im bitteren Schatten
ist meine Sonne ein Stern ohne Trost
ein Riese, der die Kleinheit wiederspiegelt
der Welt, in der ich lebe
Ich weine das Sein, das ich lebe
und mein Schmerz zündet keine Kerzen an
und holt auch keine Begräbnisfahnen ein
in der ungeheuren Prozession
der Spuren der Menschen
Ich bin das lose Glied einer Folter,
die ich das Leben schwängere
mit dem Alphabeth und der Medaille des Gesangs
Es verschlingt mich der Lärm
die Straßen die Ampeln
die ausgedehnte Härte der Mauern
Eingehüllt in den Mantel der Bußen
mache ich mit dem einzigen und unumgänglichen Kreuz
die gleichen Schritte
Ay, die Einbrüche der Dunkelheit ohne Mond!
Ay, die Lauheiten ohne Gesang!
Weder der Schwindel der Ketten und der Peitschen
noch mein in Angst krankes Vaterland
noch der Tropfen trockenen Blutes im Auge
nicht, was ich gesehen hätte
kann dieses Übel verringern
diesen Boden von Wurzeln ohne Spiegel
Weh mir, die ich keine Sorgen bewahre
noch Gesetze der Fürsorge
Gefängnisse mit Wein des Todes!
im unendlichen Rest meiner Stunden!
Ich steige weiter hinab bei Gegenlicht
Auf die müde Materie der Klage
Und abwesend erzittere ich vor dem Eis
In dieser profanen Gemeinschaft
Mit meinem Schicksal.
Übersetzung: Konradin Grossmann
Café Berlín°2